Der Kreis schließt sich

Der Kreis schließt sich

Wieder einmal in Pokhara.

Es fühlt sich fast an wie nach Hause kommen. Die Leute grüßen in den Läden, sie grüßen auf der Straße und in den Restaurants. Man kennt uns. Kann es sein, dass wir hier schon zu viel Zeit zugebracht haben? Das Zeit schneller verstreicht, die genussvoll, vielleicht nicht immer sinnvoll und doch nicht langweilig gelebt wurde? Im März unserer Ankunft saßen wir am Abend noch in dicken Jacken. Nun sind wir mitten im Monsun. Tagelanger Regen schwängert die Luft mit Feuchtigkeit die meine Bücher wellig macht, die überall hineinkriecht, selbst in die Bettlaken. Eigentlich kein Wetter zum lange bleiben. Wir buchen ein Busticket nach Kathmandu und ein Flugticket nach Europa.

In Kathmandu, im ,,Tibet Peace Guesthouse“ heißt man uns auf ähnliche Weise willkommen – mit großem Hallo und Händeschütteln.

Der Garten ist grüner und blumiger geworden. Die hinterste Ecke wird noch immer von den gleichen Typen besucht, die gern ungestört was rauchen und Sechzigerjahre Songs dabei hören . Die Nachbarhunde kläffen wie eh und je, die Katze jammert, wenn sie zu wenig Beachtung bekommt und Oma dreht ihre morgendliche Runde übers Grundstück. Nur jetzt geht sie barfuß durch den Rasen.

Über den Wolken…

Wenn das man kein Luxus ist… alles ist so sauber, so neu und funktionell. Nix klappert oder fällt zu Boden nachdem man es berührt hat….In jede Rückenlehne ist ein Bildschirm integriert, an der Armlehne steckt ein Kopfhörer. Die Auswahl an Programmen ist so vielfältig, das man mehr als einmal die Erdkugel umfliegen könnte. Gulf Air heißt uns auf angenehme Weise willkommen. Unter uns zischen die Farben der Erde entlang, über uns die Unendlichkeit des Himmels dazwischen Schäfchenwolken und wir in unserer beflügelten Zigarrenhülle. Ich, einen Roten in der Hand und Mewes den alternativen Braunen, der den zuvor ausgegangenen Whisky zwar nicht annähernd ersetzten kann, aber doch ein zufriedenes Grinsen hervor zaubert. Wir stoßen an – auf Mewes seinen Geburtstag.
Wir haben einen Zwischenstopp und Aufenthaltszeitraum von zehn Stunden in Bahrain. Gulf Air stellt ein Hotelzimmer mit Frühstück zur Verfügung. Alles kostenlos. Die Dame der Fluggesellschaft, die das Zimmer und ein Taxi reserviert nimmt unser Staunen und unser mehrmaliges Fragen nach der Rechnung und deren Begleichung schmunzelnd zur Kenntnis. ,,Nein hier gibt es keine Falltüren oder späteren Forderungen. Ja das ist anders als in Indien. Bitte rechts entlang, das Taxi wartet schon. Und morgen früh wird der Fahrer sie pünktlich wieder hierher bringen.“ Na super, dann brauchen wir uns ja nur noch ein bisschen mehr entspannen.
Und dann sind wir wieder in Istanbul und es ist fast so als wäre nichts passiert, aber nur fast…

…ein kleines Resümee

Jeder Tag in Asien ist mit Spannung, mit einem Geruch nach Abenteuer behaftet. Nicht immer ruft das Fremde, Unberechenbare, schwer Kalkulierbare ein Wohlbehagen hervor. Worauf man jedoch sicher niemals in Asien stoßen wird sind Langeweile und Trägheit, jedenfalls nicht als Reisender.
Im Iran finden sich vom ersten Tag an Menschen, die darauf erpicht sind zu zeigen, dass ihre Welt anders ist als sie für gewöhnlich in unserer, der westlichen Welt dargestellt wird. Sie wollen oftmals in den unmöglichsten Situationen, wie beispielsweise im dichtesten, chaotischsten Verkehr, zur Rush Houer in Teheran eine Unterhaltung. Praktisch von Moped – zu Fahrradsitz. Gastfreundschaft ist ihnen ein heiliges Ritual.
In Turkmenistan erfahren wir, was es heißt durch Wüste zu fahren und wie wertvoll die Trinktechnik von Kamelen sein kann.
Mit ganz anderen Elementen, die nicht minder Ehrfurcht einflößend sind, hatten wir es in Tadschikistan zu tun. Der Pamir mit all seinen Anstiegen in Höhenbereiche von 4600 Metern. Und nicht zu vergessen – all die Checkposten mit ihren mehr oder weniger korrupten Beamten. Der liebste war mir ein junger Schäferhund, der schnüffelnd seine verspielte Schnauze in unsere Schlafsäcke stecken wollte. Eigentlich sollte er Drogen suchen, die müffelnden Fußenden hatten wohl einen ähnlichen Geruch.
Dann umarmt uns das riesige Land des roten Drachen, das uns anfangs gar nicht einlassen wollte.
Weiter ging’s nach Laos und Kambodscha zum schönsten Lachen der Welt, nach Bankok und schließlich zum Sitz der Götter in den Himalaja. Und dann war da noch Indien. Indien, das sich mit keinem anderen Land vergleichen lässt, weil jeder Vergleich nicht annähernd die Wirklichkeit beschreiben kann. Es prallen alle erdenklichen Gegensätze aufeinander, seien es religiöse oder weltliche sodass man immer das Gefühl hat sich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig zu befinden.

Zurück in Europa

Ein Meer, dessen Blau das gesamte Spektrum einer Maler-Palette bedienen könnte, Strände, bei denen kaum Wünsche offen bleiben, Sonne, grell, heiß, überall… und Menschen, deren Lebensart es einem leicht machen sich fallen zu lassen – das ist Griechenland. Ein Fleckchen, auf dem sich die antiken Götter schon räkelten.
Wir haben die Wahl zwischen Strand, eingebettet in Felsen mit Beatch – Bar, Party, Dauerbeschallung und wunderschönen, jungen Venus – und Adoniskörpern oder Strand, eingebettet in eine Felsenbucht, Pinienwald und Einsamkeit, … ein Platz fürs Zelt findet sich überall. Es bleibt nur noch eines heraus zu finden… bedeutet die Leichtigkeit des Reisens in Europa nun gleichzeitig Spannungslosigkeit? Mitnichten! Es ist immer Vorsicht geboten beim Aufsuchen stiller, überwiegend sichtgeschützter Orte, weil sich dort die ,,Kinder der Götter“ einem irdischen, sündigen Vergnügen hingeben. 😉 Fast wären wir in sie hinein gestolpert. Konnten uns allerdings rechtzeitig diskret zurück ziehen, ohne ein Donnern, Grollen oder Blitze zucken hervorgerufen zu haben.

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