Die Schönheit eines gigantischen Nichts

Die Schönheit eines gigantischen Nichts

Jeden Morgen, nach einer Nacht in einem Wildcamp, wenn ich die Zeltwand öffne und in die aufgehende Sonne blinzel, überwältigt mich die Schönheit des noch frischen Tages. Das Licht umspielt ganz weich und warm den spärlichen Pflanzenwuchs. Dornengestrüpp und Steine verlieren ihr abweisendes Gesicht. Sie wirken auf einmal sogar lebendig, farbig, einladend, beruhigend auf die Seele. Mit einem Becher Kaffee , manchmal auch zwei, lasse ich meine nächtlichen Träume los. Ich bin bereit für ein neues Abenteuer.

Jeder Trail, jede Schotterpiste, jede Asphaltstrasse in dieser unendlich scheinenden Wildnis hat etwas magisches. Wie eine Nabelschnur bedeutet sie Leben. Gerne lasse ich mich von ihr fesseln. Sie ist mir ein Leitfaden. Sie bringt mich ins Nichts und sie führt mich gleichzeitig zurück in die Zivilisation. Sie gibt mir die Illusion einer helfenden Hand. Lasse ich meinen Blick folgen, bis zu dem Punkt wo der Himmel die Erde küsst, verliert er sich. Ich hole ihn zurück und lasse ihn durch die Pampa wandern. Über eine windgepeitschte, durstige Landschaft. Sie ist mindestens genauso ausgetrocknet und mit Staub gepudert wie ich. Was hat dieses grosse Nichts, was lockt mich immer wieder hinein? Das Geräusch des Windes kann es nicht sein, der brüllt wie ein Düsenjet. Ist es das Schweigen, wenn er sich schlafen gelegt hat oder ist es das Aufgeräumte im Wüsten, das Kleine im Großen? Oder reizt mich das Spiel mit der Angst. Meiner eigenen Angst davor nie genug Wasser dabei zu haben, kein Wasser zu finden oder die Bedenken hinsichtlich der Hilfbereitschaft meiner im Auto fahrenden Mitmenschen, die vergessen könnten anzuhalten um meine leeren Flaschen zu befüllen. Soll es mich Respekt, Demuth und Bescheidenheit vor der Naturgewalt lehren?
Ich bin ein Mensch, der zwar die Lehren aus einem reichen Erfahrungsschatz anderer annimmt, aber noch viel lieber über Selbsterfahrung Schlüsse zieht. Sind sie doch tiefgründiger, einprägsamer, spannender.

Ich verlasse immer wieder bereitwillig meine Komfortzone um das für mich Mögliche auszuloten? Irgendwann, wahrscheinlich mit einer leeren Flasche in der Hand, auf einer Schotterpiste sitzend, ausgedörrt, erschöpft noch einmal den Blick schweifen lassend in dieses unendliche Nichts werde ich es wissen, was mich hierher getrieben hat…

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